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Harald Rodlauer (fot. Julia Piątkowska)

Harald Rodlauer spricht über seinen Abschied von der polnischen Damen-Skisprungmannschaft und über Twardosz, Konderla und seine neue Trainermission in Italien

Harald Rodlauer, der von vielen als einer der besten Trainer im Damen-Skispringen bezeichnet wird, hat es leider nicht geschafft, das Leistungsniveau der polnischen Skispringerinnen wesentlich zu verbessern. Der Österreicher war weniger als ein Jahr lang ihr Cheftrainer, aber die einzige polnische Athletin, die in dieser Zeit ein paar Weltcuppunkte sammelte, war Anna Twardosz. Die Erwartung, bessere Ergebnisse zu erzielen, blieb unerfüllt und ein interner Konflikt mit Nicole Konderla verschärfte die Situation. Dies war auch einer der Gründe, warum Rodlauer sich dazu entschloss, die polnischen Springerinnen nicht mehr zu trainieren und sich einer neuen Herausforderung als Cheftrainer der italienischen Damenmannschaft zu stellen.

 

Bartosz Leja: Was war der Grund für Ihren Rücktritt als Cheftrainer der polnischen Damenmannschaft?

Harald Rodlauer: Der Grund für meinen Rücktritt war, dass ich mir, auch wenn nur schwer eingestehen musste, dass die Erwartungen und die Umsetzung der Ziele für die nächsten zwei Jahre nicht möglich sind. Damit meine ich, dass bei den Mädchen sehr viel an Fundament fehlte. Wir, das gesamte Team hatten letzte Saison enorm viel investiert, um eine Struktur und ein System hineinzubringen. Die Mädchen mussten erst mal verstehen und lernen, dass es eine harte Arbeit ist und man auch 100 % professionell, sowohl bei der Arbeit aber auch im Lebensstil sein muss. Das ist aber keine Kritik an meine ehemaligen Mädchen, sie haben das nie gelernt oder vorgelebt bekommen.

Wenn du dir die polnische Mannschaft anschaust, siehst du ein gewisses Potenzial bei diesen Mädels und Chancen, in ein paar Jahren solide Weltcup-Athletinnen zu werden? Oder ist der Weg vielmehr viel länger?

Ja das sehe ich definitiv, aber das dauert sicher einige Jahre, aber diese Zeit hatte ich nicht, nach meinem Gefühl. Es gibt in dieser Mannschaft Mädchen in denen Potenzial steckt, diese haben noch viel zu lernen, vor allem im mentalen und im Bereich der Professionalität. Sie haben die letzte Saison viel gelernt und angenommen, aber das dauert eben seine Zeit.

Was ist das Hauptproblem des Damen-Skispringens in Polen?

Ich sehe es darin, dass man sich in den letzten Jahren, immer nur um einzelne Athletinnen gekümmert und vergessen hat das es ein gut funktionierendes Team braucht. Als ich letztes Jahr begonnen hatte, wurde mir immer wieder gesagt, dass die Mädchen nicht an einem Tisch saßen, und sogar zu unterschiedlichen Zeiten und Orten trainiert hatten. Darum habe ich mit meinem Team das von Beginn an geändert und ein Teamgefüge hineingebracht. Die Rückmeldungen waren sehr gut und ich hörte immer wieder, das hat man die letzten Jahre nie gesehen, dass das Team gemeinsam aufgetreten und trainiert hat. Das waren sehr positive Stimmen unserem Team gegenüber.

Anna Twardosz war in der vergangenen Saison die Anführerin der polnischen Mannschaft. Was ist das Potenzial dieses Athleten? Wie weit ist sie von den regulären Punkten im Weltcup entfernt?

Anna hat einen riesigen Schritt gemacht und war selbst überrascht davon. Man hat ihr zuvor wenig oder nichts zugetraut und sie wegen ihrem hohen Körpergewicht auch eine Zeitlang nicht gefördert. Sie musste lernen, dass sie auch einen Selbstwert hat und diesen auch zeigen kann. Leider hat man ihre Entwicklung nicht gesehen und es wurde immer darüber gesprochen oder geschrieben, dass sie nur zweimal Weltcup Punkte gemacht hatte. Aber man hat nicht gesehen, wo sie am Anfang unsere Arbeit, stand. Wenn sie jetzt den Weg konsequent weitergeht und sich vor allem im mentalen Bereich verbessert, dann hat sie wirklich gute Möglichkeiten in den nächsten Jahren. Ich wünsche es ihr auch, weil sie charakterlich eine großartige Person ist.

Sie hatten auch Pola Bełtowska und Natalia Słowik in Ihrem Team. Sind sie hochtalentierte Sportler oder brauchen sie noch viel Arbeit, um überhaupt auf dem Niveau von Anna zu sein?

Beide Athletinnen verfügen über sehr gutes Grundpotenzial. Ich denke sie sind nicht so weit weg von Anna, außer dass sie um einige Jahre jünger sind. Es wird sich die nächsten Jahre zeigen, ob sie mit dem, was wir ihnen übermittelt haben, auch weitermachen. Damit meine ich alles für ihre Arbeit zu tun. Auf jeden Fall benötigen beide noch Zeit und Ruhe für ihre Entwicklung.

Im Moment haben wir wirklich kleine junge Mädchen, die auf Skiern springen. Außerdem versuchen wir seit vielen Jahren, das Niveau des Damenskispringens in Polen zu erhöhen. Aber wir haben immer noch keine Top-Ergebnisse. Was sollte der polnische Skiverband tun, um dies zu verbessern?

Marcin und Stefan die nächsten Jahre zu unterstützen und ihnen auch die Zeit geben, um ein längerfristiges Projekt umsetzen zu können.

Was war der Grund für Ihre Missverständnisse mit Nicole Konderla? Was kann man über sie wie über eine Sportlerin sagen?

Es gab von unserer Seite, damit meine ich mein gesamtes Team her keinerlei Missverständnis, sie wollte einfach mit meinem Team und mit mir nicht arbeiten. Sie lehnte alles ab und hatte überhaupt kein Vertrauen zu uns. Sie wollte nur mit Lukasz Kruczek arbeiten und das hat sie auch gemacht. Wir haben von Anfang an sehr viel in ihr investiert, es wurde von ihr aber, außer zum Beginn, nichts angenommen. Ich denke, sie hat von Anfang an gesehen, dass sie gleichbehandelt wird wie alle anderen Athletinnen und keinen Sonderstatuts im Team hat. Das dürfte für sie das größte Problem gewesen sein. Eine Zusammenarbeit war daher mit ihr nicht möglich und sie wollte es auch nicht.

Es gab einige Gerüchte über die Rückkehr von Kamila Karpiel. Sie sagte mir, dass es möglich ist. Glaubst du, dass sie wieder auf dem Niveau sein könnte, bevor sie vor ein paar Jahren mit dem Skispringen aufgehört hat?

Ja, ich habe den Kontakt zu Kamila hergestellt und sie auch Anfang April persönlich getroffen. Eine sehr nette Person und ich denke, wenn es für sie möglich sein wird zurückzukommen kann sie wieder gute Ergebnisse erzielen. Es wird nicht einfach, aber sie hätte mit Marcin und Stefan sehr gute Personen, die sie kennen und gut unterstützen würden.

Können Sie bestätigen, dass Sie Cheftrainer der italienischen Damenmannschaft sein werden? Und was sind Ihre Ziele und Pläne für dieses Team?

Ja, ich werde in Zukunft mit dem italienischen Skiverband zusammenarbeiten und dort die Position des Cheftrainers der Damen übernehmen. Meinem Team gehört unter anderem mein ehemaliger Co Trainer Romed Moroder, Zeno di Lenardo, Theresa Koren und Alois Hasibether, an Es ist eine große Herausforderung für uns alle, die Mädchen haben ein gutes Niveau und daher sind die Ansprüche vom Skiverband in Hinblick der Spiele 2026 mit den Sprungbewerben in Predazzo auch sehr hoch.

 

Anna Libera, Bartosz Leja

 

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